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Schlachten

Die Schlacht von Kadesch (1274 v. Chr.)

Veröffentlicht am 30. Juni 2026 · Aktualisiert am 14. Juli 2026 · Wolfgang Richter

Relief der Schlacht von Kadesch am Pylon des Luxor-Tempels

Im fünften Regierungsjahr Ramses’ II., um 1274 v. Chr., trafen die Armeen des ägyptischen Neuen Reiches und des hethitischen Großreichs bei der Stadt Kadesch am Fluss Orontes aufeinander – im Gebiet des heutigen Syriens. Die Schlacht gilt als die größte Streitwagenschlacht der Bronzezeit und als der am detailliertesten dokumentierte Feldzug des Alten Ägypten, überliefert in zwei parallelen Inschriften: dem sogenannten „Poem“ und dem „Bulletin“, eingemeißelt an den Tempeln von Abydos, Karnak, Luxor, dem Ramesseum und Abu Simbel.

Ausgangslage

Ramses II. führte sein Heer in vier Divisionen nach Norden, benannt nach den Göttern Amun, Re, Ptah und Seth. Ziel war die Rückeroberung Kadeschs, einer strategisch wichtigen Stadt an der Grenze der ägyptischen und hethitischen Einflusssphäre. Zwei gefangene Überläufer meldeten dem Pharao, das hethitische Heer unter Muwatalli II. stehe weit entfernt bei Aleppo – eine gezielte Fehlinformation. In Wirklichkeit lag die hethitische Streitmacht bereits verdeckt hinter Kadesch selbst.

Verlauf der Schlacht

Im Vertrauen auf die falsche Meldung ließ Ramses die Division Amun ihr Lager nordwestlich von Kadesch aufschlagen, während die Division Re noch im Marsch war, weiter zurückliegend Ptah und Seth. In diesem Moment brach die hethitische Streitwagenflotte – nach ägyptischen Angaben rund 2.500 Wagen – aus der Deckung östlich der Stadt hervor und traf die Division Re in der offenen Flanke. Die Formation brach auseinander, überlebende Soldaten flohen in Richtung des Amun-Lagers und rissen dessen Ordnung ebenfalls in Unordnung.

Nach der ägyptischen Überlieferung sammelte Ramses II. persönlich die verbliebenen Kräfte der Amun-Division und hielt mit wiederholten Streitwagenvorstößen die Angreifer auf, bis Verstärkung eintraf: die Truppe der Ne’arin, vermutlich aus dem Gebiet der levantinischen Küste, sowie die nachrückenden Divisionen Ptah und Seth. Die hethitischen Wagenbesatzungen, durch das Plündern des ägyptischen Lagers abgelenkt, wurden zurückgedrängt zum Orontes.

Schematische Darstellung des Schlachtverlaufs (vereinfacht, nicht maßstabsgetreu)

Orontes Kadesch Amun Re Ptah Seth Hethitischer Streitwagenangriff

Vereinfachte Skizze zur Orientierung: Marschrichtung der vier ägyptischen Divisionen von Süden und der hethitische Vorstoß aus der Deckung östlich Kadeschs.

Die Rolle der Streitwagen

Beide Seiten setzten Streitwagen als zentrale Waffengattung ein, jedoch mit unterschiedlicher Auslegung. Die ägyptischen Wagen waren leicht, mit einer Zweierbesatzung aus Lenker und Bogenschützen, auf hohe Beweglichkeit und Fernkampf mit dem Kompositbogen ausgelegt. Die hethitischen Wagen trugen häufig eine dritte Person und waren tendenziell schwerer gebaut, ausgelegt auf den direkten Nahkampfstoß mit Lanze. Die Wendigkeit der ägyptischen Wagen wird in der Forschung als einer der Gründe genannt, weshalb Ramses’ Gegenstoß mit einer kleinen Kerntruppe überhaupt möglich war.

Folgen: der erste überlieferte Friedensvertrag

Militärisch endete die Schlacht ohne klaren Sieger – beide Seiten beanspruchten den Erfolg für sich, Kadesch blieb unter hethitischer Kontrolle. Die eigentliche historische Bedeutung liegt in der Folge, die erst 15 Jahre später eintrat: 1259 v. Chr. schlossen Ramses II. und der hethitische König Hattusili III. einen Friedens- und Beistandsvertrag, dessen Text sowohl in ägyptischen Hieroglyphen als auch in akkadischer Keilschrift überliefert ist. Er gilt als der älteste vollständig erhaltene zwischenstaatliche Friedensvertrag der Weltgeschichte.

Quellenlage

Da nur die ägyptische Seite eine ausführliche Eigendarstellung hinterlassen hat, bewertet die moderne Forschung den Ausgang der Schlacht zurückhaltender als die Inschriften selbst – als strategisches Unentschieden mit propagandistisch überhöhter Selbstdarstellung Ramses’ II.

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